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Timoschenko bringt Banker ins Schwaermen
Im Schweizer Nobelskiort versuchen Regierungschefin Julia Timoschenko und Oppositionsführer Viktor Janukowitsch, internationale Geschäftsleute von ihren Ideen zu überzeugen. Dabei kommt die Blondine aus der Ukraine deutlich besser an.
Der als pro-russisch eingestufte Viktor Janukowitsch traf bei den vielen amerikanischen Bankern, die am Freitagmittag der Einladung des ukrainischen Industriemagnaten Viktor Pinchuk gefolgt waren, auf Skepsis. "Mit welchen Mitteln will er Investoren in sein Land bringen?" war eine der meistgestellten Fragen, die sich auch Peter Tils, Leiter der Osteuropageschäfte der Deutschen Bank , stellte.
Janukowitsch hatte eine starke Gegnerin. Im Gegensatz zu dem immer etwas hölzern wirkenden Zwei-Meter-Mann, hatte Julia Timoschenko bei der internationalen Community leichtes Spiel. "Wie heißt sie mit vollem Namen und wie alt ist sie", waren jene Fragen, die sich die amerikanischen Banker Richard Brown und Peter Eysenberger stellten, als die ukrainische Regierungschefin ihr Wirtschaftsprogramm via Videobotschaft verbreitete. Julia Timoschenko Im schwarzen, mit einer Brilliantenbrosche verzierten Designer-Kleid, hatte Timoschenko einen dress-code gewählt, der an Margret Thatcher erinnerte. "Ich will Europa in der Ukraine aufbauen, das geht nur mit der Unterstützung ausländischer, westlicher Investoren", ging die 49-Jährige in die Offensive und bat um die aktive Mithilfe jener Banken und Großkonzerne, die sich Jahr für Jahr in Davos treffen. Aber auch der Mittelstand müsse in dem Land, das bis 1991 zur Sowjetunion gehörte, aufgebaut werden.
"Mein Land hat diese Reformen bis heute nicht umgesetzt, weil wir keine Erfahrungen mit solchen Strukturen haben", sagte Timoschenko, die sich auch durch mehrere Unterbrechungen der Live-Schalte nicht aus der Ruhe bringen ließ. "Sie wirkt extrem eleoquent", lobte Unternehmensberater Roland Berger den Auftritt der Ministerpräsidentin und ließ sich das ukrainische Mittagessen schmecken. Viktor Janukowitsch bei einer Wahlveranstaltung in Kiew Im Grunde gleichen sich die Programme der beiden Kandidaten, die am 7. Februar in einer Stichwahl um das ukrainische Präsidentenamt ringen. Das Land steht seit Anfang der Wirtschaftskrise vor dem Bankrott. Wichtige Sektoren wie die Energie- und Chemieindustrie müssen dringend saniert werden. Janukowitsch sprach sich klar für die Schaffung eines Konsortiums, bestehend aus der EU, Russland und der Ukraine aus, das das Gastransportsystems des Landes renovieren soll. 80 Prozent des in Europa verbrauchten Gases laufen durch das marode Pipelinenetz der Ukraine.
Janukowitsch und Timoschenko sind auf die Stimmen des dritt- und viertplazierten Kandidaten angewiesen. Sowohl der schwerreiche Banker Sergej Tigipko als auch der junge, erst 35 Jahre alte Arsenij Jazeniuk haben sich der Wirtschaftselite in Davos persönlich vorgestellt.
Tigipko sagte FTD.de: "Ich werde mich von nun an aktiv in die Politik einmischen. Vor allem bei der Umsetzung der Wirtschaftsreformen haben wir zu viel Zeit verloren. Ich bin dafür, dass das Wirtschaftssystem stärker dereguliert wird". Gleichzeitig will er aber die von der Regierung Timoschenko gestartete Nationalisierung der Banken fortsetzen. "Nur so bekommen wir kurzfristig die Stabilität, die die ukrainische Wirtschaft braucht." Tigipko gab an, er wolle mit jenem Kandidaten zusammenarbeiten, "der den größten Pragmatismus an den Tag legt". Namen ließ er jedoch offen.
Timoschenko rief Jazeniuk und Tigipko dazu auf, mit ihr gemeinsam ein Team zu bilden, um die nötigen Reformen umzusetzen. Der so umworbene Jazeniuk zierte sich und sagte, er wolle lieber noch fünf weitere Jahre warten und in Ruhe eine Partei aufbauen, die Demokratie und Meinungsfreiheit auch tatsächlich praktiziere.
Zwei Stunden später und um die Erfahrung eines "ukrainischen Lunches" mit Bortsch-Suppe, Schweinefilet und Wodka reicher, stellten sich die Banker Brown und Eysenberger die Frage, wieso es in ganz Amerika keine solchen Politikerinnen gibt wie Timoschenko. "Politische Debatten sind oft so knochentrocken, aber bei ihr geht es ", schwärmte Richard Brown, der bei Merrill Lynch in New York arbeitet.
von Nina Jeglinski
























































































